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Ende der 80er Jahre wurde aus den USA der Mountainbikevirus nach Europa eingeschleppt. Er verbreitete sich so nach und nach und erreichte schliesslich auch
den, bis dahin virenfreien Ort mit einem Berg und einem Tal. Mehr oder weniger junge Männer wurden infiziert. Sie machten sich auf und kauften Fahrräder (Anmerkung: damals hießen die Bikes noch so, sie wurden
auch Bergradel genannt!), vornehmlich der Marken Schauff oder Wheeler mit 18 Gängen, Schutzblechen und weiterem Gerümpels, das aber sehr bald abgeschraubt wurde. Damit fuhren sie dann meist allein durch die Gegend.
Ihre Kleidung war bunt. Neonfarbige Streifenmuster, die Farben Pink und Lila waren up to date. Im Laufe der Zeit hörte man, dass im Bekanntenkreis noch mehr mit Mountainbikes, wie sie jetzt schon genannt wurden,
meist allein in Wald und Flur unterwegs waren. Da die fast schönste Sache der Welt zusammen noch mehr Spaß macht, sannen sie auf Abhilfe. Hilfreich waren dabei Gespräche bei diversen Festen auf der Pfarrwiese. So
war schnell ein Termin zu gemeinsamen Touren gefunden. Ab den frühen 90ern, genauer lässt sich der Termin aus dem Dunkel der Geschichte nicht mehr rekonstruieren, trafen sich ein paar, von anderen als leicht
verrückt eingestufte Biker dienstags, später auch samstags, auf dem Parkplatz an der katholischen Kirche in Elversberg und los ging’s zu den Touren rund um Elversberg. Nach 30 km waren sie meist platt. ( Heute
halten sie etwas länger durch ).
 So nach und nach kamen immer mehr dazu. Als Ausgangspunkt wurde nun der „Rosengarten” am Galgenbergturm gewählt, wo nach der Tour bei einer Apfelsaftschorle noch einmal alles durchgekaut werden konnte. In dieser Zeit entwickelte sich ein Biker so nach und nach zu unserem Führer. Er
führte uns über neue unbekannte Wege und Berge wurden von nun an nur noch über-, nicht mehr umfahren. Später machte er beim Alpenverein eine Ausbildung zum Bikeguide.
Etwa in der Mitte der 90ger setzte sich die Idee fest, der Gruppe einen Namen zu geben. Verstärkt wurde dieser Gedanke auch durch den Getränkewechsel auf
dunkles Weizenbier, da sich mit diesem sich leichter fabulieren lässt als mit Saft. Im Jahr 1997 ( hoffentlich stimmt das Jahr) wurden wir dann fast jeden Dienstag
bei unseren Touren gründlich gewaschen. Samstags konnten wir die Route wählen wie wir wollten, immer lauerte unterwegs ein Schlammloch, das durchquert werden wollte. Dabei spielte es
überhaupt keine Rolle, ob es die Woche über richtig heiß und trocken war und im ganzen Saarland sonst kein Schlammloch mehr existierte. (Das Gerücht, dass Gerhard, unser Führer,
vorher immer in den Wald fuhr und diese Löcher präparierte entbehrt jeder Grundlage) So war es klar, dass das Wort “Schlamm”, “Batsch”, “Matsch” oder “Dreck”
irgendwie in dem Namen vorkommen musste, zumal auch in der Elversberger Nationalhymne am liebsten im Dreck gespielt wurde. Der Name Matschfinder war geboren. Um der Umwelt diesen Namen auch präsentieren zu können wurden
figurbetonende Trikots der Größe “Spak” beschafft und diese voller Stolz auf den Touren getragen. Mittlerweile gibt’s die dritte Auflage der Matschfindertrikots. Die Matschfinder sind im Internet präsent und rund um die Welt bekannt. Während der ganzen Namensfinderei wurde immer wieder mal die Frage
aufgeworfen, ob die Matschfinder eigentlich nun ein Verein sind, werden wollen oder sollen oder so ähnlich. Die Antwort war immer die Gleiche :“Näää!“.
Diese Antwort ist aus folgenden Gründen leicht zu verstehen. Da ein Verein einen Vorstand, mit Präsident, Viezpräsident, Kassierer und Schriftführer braucht, kommt so was gar nicht in Frage
. Vorstand geht nicht, denn Matschfinder stehen nicht, sie fahren oder liegen, da sie beim Stehen häufig umfallen. Ein Präsident ist ein, wenn auch schmackhafter Käse, Viez trinken wir
auch nicht. Zu kassieren gibt´s auch nichts, da sich meistens ein paar Spender finden. Auf einen Schriftführer müssen wir notgedrungen verzichten, da es sich nicht lohnt das Bisschen das gesaahd unn fazeehld wärd
aufzuschreiben. Die alten Fahrräder hatte mittlerweile längst das Zeitliche gesegnet, die Technik rückte mehr und mehr in den
Mittelpunkt. Neue bunte Magazine erschienen auf dem Markt, die den Virus in den Bikern noch stärker werden lies und sie ihre Räder, die noch rigide und von unbekannter Herkunft waren, vergessen machte
.Diese antiken Modelle hatten noch stabile, starre Gabeln, 18 Gänge, breite weiche Sättel und Rohre aus feinstem Wasserleitungsmaterial. Sie besaßen Schutzbleche, Gepäckträger, dicke Reifen und Bremsen,
deren Beläge für die Ewigkeit geschaffen waren, denn sie nutzten sich überhaupt nicht ab, da sie auch gar nicht daran dachten irgendwie zu verzögern. Die Fahrer dieser Räder lobten deren Gewicht von ca. 15-20
kg als hervorragenden Trainingsverstärkungseffekt. Die Fahrer waren eifrig und tranken aber immer weniger Apfelsaftschorle.
Diese Idylle ging nun zu Ende. Eiferer tauschten die breiten, weichen Sättel gegen schmale, harte aber leichte
Modelle, denn sie lasen diese neuen Schriften, durch die sie jeden Monat mit neuen Gelüsten infiziert wurden. Sie behaupteten sogar, dass man auf diesen unvollständigen Sätteln bequemer und länger biken könne, als
auf den breiten bequemen Modellen. Ein neuer Virus suchte dann die Idylle heim. Reifen und Felgen hatten plötzlich einen Markennamen
aufgedruckt und 18 Gänge wurden gegen 21 eingetauscht. Doch damit nicht genug, alles Überflüssige wurde abmontiert. Schutzbleche (!: die Bedeutung von ! wird man später verstehen), Gepäckträger, Ständer,
Dynamo, Lampen, Klingel, Rückstrahler, Speichenreflektoren, all diese Dinge brauchte ein pures Fahrrad nicht. Das Durchschnittsgewicht lag nun schon leicht unter 15 kg. Alle waren glücklich und zufrieden.
Doch das Schicksal schlug erbarmungslos zu, in dem es durch glückliche Umstände die unwissenden Radfahrer zwang, sich nach neuen Gefährten umzuschauen. Dem Einen hatte es durch die übermütigen
Sprünge, bei nicht ganz idealem Körpergewicht, die Sitzstreben verbogen; Anderen war das Schicksal in Form eines Auffahrunfalls gnädig, der die Räder am Heckträger ihres vierrädrigen Fahrzeugs verschrottete.
Der Erste leistete sich einen neuen Stahlrahmen mit dreifach konifizierten
Rohren, gewichtsoptimiert und von einer kultigen US-Firma zusammengeschweißt und schraubte alle Teile vom alten Bike ans neue Teil, wobei gerade noch paar Hydraulikbremsen zufälligerweise im Angebot waren. Die Anderen suchten den örtlichen Bikehändler heim, verwickelten ihn in lange, technikschwangere Gespräche und luchsten ihm allerfeinste Alubikes
aus deutscher Fertigung ab. Das Durchschnittsgewicht bewegte sich langsam auf die 12 kg Marke zu. 24 Gänge wurden Mode, aus Apfelsaftschorle wurde Weizenbier. Alle waren von dem neuen Fahrgefühl bergauf begeistert.
Beim Losfahren klickte es nun überall an den Füßen. Die Geschichten von Bikern, die ihre Schuhe zwar in die Pedale einklicken konnten, aber nicht
immer im passenden Moment wieder ausklickten erzählt man sich heute noch. Doch wieder zogen dunkle Wolken über die kleine Schar der puren Biker. Böse Mächte verbreiteten Schriften in denen die Segnungen der
Weicheiertechnik gepriesen wurden. Doch die tapferen Biker widerstanden, ließen sich auf Abfahrten durchschütteln bis die Plomben rausfielen, die Hände taub und der Blick verschwommen wurde.
“Außerdem taugt dieser neumodische Kram noch nichts und ist viel zu teuer.”
Aber die Verweichlichung war nicht aufzuhalten. Nach und nach tauchten Federgabeln an den Bikes auf und
bescherten unseren tapferen Helden ein völlig neues Abfahrtserlebnis, die Piste war plötzlich zu sehen, die Hände behielten ihr Gefühl. Neue Bremsen tauchten auf; Modelle in V-Form oder hydraulische Versionen
verzögerten nun endlich angemessen. Die V´s haben ihre Gummis dabei zum Fressen gern. Reifen hatten nun nicht nur Namen, sondern auch weniger Gewicht und mehr Platt. 27
Gänge wurden langsam Standard. Felgen hatten plötzlich einen Keramiküberzug, die Speichen wurden weniger und dünner.Die Dekadenz schritt immer weiter voran. Verschiedene Geburtstage,
“Lackschäden” an Federgabeln ließen die Schar der durchgeschüttelten Biker noch kleiner werden. Nun gab´s auch noch Federn unters Hinterteil. Ein harter, immer kleiner werdende Kern verteufelte diese
Erfindung der Weicheier.
”Dieser ganze neumodische Kram taugt nichts und ist noch viel zu teuer.”
Eine Probefahrt wurde trotzdem gemacht. Das Durchschnittsgewicht stieg wieder leicht an. Es wurde jedoch
mittlerweile durch dickere Beine kompensiert. Pulsmesser trieben das Gesamtgewicht dabei nur unwesentlich in die Höhe. Der Sittenverfall geht jedoch unaufhaltsam weiter. Ungläubige schrauben wieder Schutzbleche (!siehe oben) an. Sie entdecken auch einen neuen Felgentest: ordentlich aufpumpen und warten bis es knallt. ( Anmerkung: Mittlerweile federt´s vorne überall, nur die Hinterteilfederung hat sich nicht so richtig durchgesetzt. ) Das Saarland wurde nun langsam zu klein. Touren ins Reich oder ins benachbarte Frankreich wurden ins
Auge gefasst. So wurden die Schwäbische Alp, der Schwarzwald, die Vogesen, das Allgäu, Thüringen und das Berner Oberland mit den Matschfinder Himmelfahrtstouren beehrt.
Zwischendurch gab es Tagestouren in die Länder rund ums Saarland, Matschfinder starteten bei verschiedenen Marathons, wie St. Wendel, Lemberg, St. Ingbert usw.
Auf diesen Touren lernten die Matschfinder auch die Kultur der verschiedenen Regionen kennen. So z.B.: die ellenlange Abfahrt von Bitsch in die Rheinebene, den Thüringer Bierdeckel, samt Kriechöl, Inbusschlüssel und Eintagesbiergarten. Der Schwarzwald wartete mit rumänischen Schweizerinnen und einer Menzenschwander Abfahrts- und Aufstiegsvariante auf. Oberstdorf
reizte mit knappen Lederhöschen, Frauen die auf Stangen mitfahren wollten und einem wild winkenden Parkplatzwächter.
Aus der Schweiz brachten sie Erinnerungen an Kübel und Kampffliegen,
geschlossene Restaurants, falsche Eigernordwände und teure Rostwürste mit. Die Vogesen beeindruckten mit steinigen Pfaden und Bikern, die
wortlos, ohne was zu saahn, im Unterholz verschwanden. Die Matschfinder wissen nun, dass die Nahe ein gebirgiger Fluss ist und Fahrräder schnell zu Handgepäck umgebaut werden können, wobei es ratsam ist immer einen Ersatzreifen nebst Schlauch mit zu nehmen. Den Jahresabschluss bilden mittlerweile die Hüttenzaubertouren, bei denen diverse Stunts, wie z.B. die Maikäfernummer zu sehen waren.
All diese Touren dienten der Vorbereitung auf das große Ziel der Matschfinder:
„Alpenüberquerung“.
Die Idee setzte sich in der dunklen Jahreszeit, in der die Touren
abends wegen der einsetzenden Dunkelheit nicht mehr so lang waren, in den Köpfen der Matschfinder fest. Zur Stimulierung des Gedächtnisses wurde dunkles Weizenbier als Unterstützung eingesetzt. Das Jahr 2003 wurde für den ersten Versuch auserkoren. Acht Matschfinder und ihr Busfahrer machten sich in
der letzten Augustwoche bei traumhaftem Wetter auf, die Alpen von Garmisch aus bis nach Riva zu überqueren. Die Tour war ein Riesenerlebnis. Eine schöne Route ( Danke Gerhard! ), Traumwetter, prima Unterkünfte, mit
hervorragendem Essen, Servicepersonal und gigantischen Nachschlägen ( von einem Pressluftschuppen und
fehlenden grünen Bierflaschen einmal abgesehen ), keine Stürze und Pannen, machten diese Tour unvergesslich. Das Jahr 2003 brachte auch einen Wechsel des abendlichen
Tourabschlussbesprechungsabendortes mit isotonischer Getränkeaufnahme, die Matschfinder folgten dem Heckenwirt Wolfgang in sein neues Domizil in der St. Ingberter Str.
Und als Krönung des Jahres wurde im Herbst und Winter dienstags das Spinningstudio, in dem einige Biker die letzten Jahre überwintert hatten, wieder mit der freien Natur getauscht. Leistungsfähige
Beleuchtungsanlagen wurden geordert und es ging nun im Dunkeln über breite Forstwege durch die Gegend.
Eine ganz neue Erfahrung und Sichtweise!
Im Jahre 2004 sollte eine erneute Alpenüberquerung gestartet werden.
Zur Vorbereitung sollte darum neben diversen Tagestouren die Umrundung des Saarlandes auf dem Saarlandrundwanderweg dienen. Als Termin
wurde Fronleichnam auserkoren, da unser gräflicher Matschfinder über Christi Himmelfahrt seine Nostalgietour zu den Töchtern und Fleischtöpfen des Hecherhofes im Meraner Land geplant hatte. 18 Biker meldeten sich
an, darunter auch einige Gastfahrer aus dem schönen Hessen, die ihre Touren mit den Matschfindern immer dazu nutzen ihrer Räder generalüberholen zu lassen. Für gestandene Alpenüberquerer sollten die
Hügel des Saarlandes ein Klacks sein. Am Ende entpuppte sich das Ganze als ziemliche Hammertour, in viereinhalb Tagen kamen 400 km und 7000 Höhenmeter zusammen, also so etwas wie eine leichte
Alpenüberquerung und somit die richtige Vorbereitung. Dabei wurde auch das Lied von den 13 kleinen Mountainbikern zuerst praktisch demonstriert und anschließend in Worte gefasst. In dieser Zeit zeigte uns
unser Führer auch eine neue Variante seiner Tourenführung. Um den, zugegebenermaßen hübschen, Ort Bliesransbach im Bliesgau richtig vorzuführen führte er uns an einem Ende hinein, hindurch, am anderen Ende
wieder hinaus und in einer großzügigen Schleife durch die Felder wieder hinein, gerade noch rechzeitig um die Fronleichnamsprozession besichtigen zu können. Erwähnen sollte man vielleicht auch noch den Mettlacher Losfahrlenkerübersteiger eines Matschfinders vor großem Publikum mit anschließendem
Lachflash des Restes der Truppe, so wie den Sprachkurs eines Matschfinders mit einem Beo. Wieder wurde die letzte Augustwoche für die Transalp als Termin ins Auge gefasst, ein neuer Busfahrer wurde gechartert, als Startpunkt wurde Bregenz ausgeguckt.Obwohl das Wetter an der Heimatfront ziemlich
nass und kühl war, hatten die wiederum 8 Matschfinderalpenüberquerer ein fast traumhaftes Wetter und wurden von richtigen Regengüssen und Wetterstürzen verschont.
Route, Unterkünfte und Verpflegung waren auch diesmal super, sogar das grüne Bier wartete in Riva an der Seepromenade auf die Biker.
Als Highlights dieser Tour können der Samaritereinsatz bei drei Bikerinnen, das Ersteigen einer Schipiste, eine Tunnelüberquerung, dicke Marmorbrocken auf gewöhnlichen, steil abwärts führenden Waldwegen, ein
roter italienischer Biker, der Panoramablick von Tenno aus auf den Gardasee, due Giraffe Vino rosso e due Litro Aqua miserabilé, sowie das gigantische Feuerwerk samstags abends in Riva erwähnt werden.
Das Jahr 2005 bot neben den wöchentlichen Dienstags- und
Samstagsroutinentouren noch ein paar außerordentliche Highlights auf. Die Stuntsaison wurde von P.J. („Isch saahn nix!“) mit einer spektakulären Nummer anlässlich des 2005er IGB-Marathons
abgeschlossen. In aussichtsreicher Position liegend, haute es ihn in der letzten Rechtskurve vor der Einfahrt zum Stadion auf den Asphalt. Locker landet er auf seinem rechten Unterarm, wirft sein
Bike weg und kommt locker nach ca. 20 m (eigene Aussage) auf dem Arm bremsend zum Stehen, besser liegen. Da der Asphalt ein älteres Modell, mit ziemlich viel Steinen obenauf ist, verliebt sich
ein Großteil seiner Haut in denselben und bleibt auf der Strecke kleben. Im Gegenzug schiebt sich eine größere Zahl der herumliegenden Steinchen liebevoll unter die Haut am Ellenbogen.
Weniger gut hat sein Bike diese Geschichte überstanden, das Schaltwerk ist verbogen, denn die Kette hat sich dazu entschlossen die Arbeit vollständig einzustellen, sie ist
dermaßen verknotet, dass nichts mehr geht. Die am Wegesrand stehende Boxencrew (A.G. und D. „Tiger) ist zuerst sprachlos ob dieser Nummer. Der Vorschlag der Crew das Rad zu tauschen wird von P.J. nicht
angenommen. Er lässt sich von Ali auf dem defekten Bike anschieben, rollt den Berg hinunter, springt ab und spurtet die letzten 100 Meter ins Stadion. Was ihn dabei am meisten wurmte, war die Tatsache, dass er
während dieser Aktion noch von so etwa 4 bis 5 Bikern überholt wurde, wobei diese auf dem Rad nie eine Chance gegen ihn gehabt hätten däten, noch jemals eine haben werden.
Seine erste Frage gilt der Platzierung, zumal der Sani angesichts des rechten Arms selber Beistand benötigt. Der Transport zur Winterbergklinik ist vom Veranstalter schnell organisiert, unser wackerer Biker mischt
dort auch gleich durch seine Sprachlosigkeit die ganze Station auf und ist der erklärte Liebling jedweden Pflegepersonals, erzählt er. Diese grandiose Nummer setzte in den Köpfen des Restes der Truppe so viel
Bewunderung frei, dass sie sich entschloss, unserem Asphaltcowboy bei der folgenden Dienstagstour in oben genannter Besserungsanstalt die Aufwartung zu machen. Der Einfall der Truppe auf dem Gelände der
Heilanstalt sorgte dann für weiteren Gesprächsstoff bei allen Einwohnern dieses heimeligen Ortes. Zur Vorbereitung auf den erneut geplanten Alpencross sollte die Vortour uns diesmal in die benachbarte
Pfalz führen. Der neu ausgeschilderte Mountainbikepark rund um Rodalben sollte unser Ziel sein. Als Termin
wurde wieder Fronleichnam auserkoren. Donnerstags ging es mit den Rädern über Zweibrücken Richtung
dieses idyllischen Pfälzer Städtchens, wo wir unsere Ankunft zuerst einmal im Hilschberghaus des PWV zusammen mit U.R. und dessen Sohn O. feierten. Es herrschte Bombenprospektwetter, wir saßen auf
der Terrasse im Schatten, lauschten den Erzählungen der, erneut wegen eines großen Bikechecks anwesenden, Hessenfraktion und amüsierten uns köstlich über einen Witz unseres Führers, der von diversen
Käseplatten handelte. Freitags wanderten unsere Bikes über den Felsenpfad rund um Rodalben, knapp 50 km Singletrail pur. Bis auf zwei Biker trafen wir
keine Menschenseele. Zur Abwechslung wurden wieder einige Stunts dargeboten. Unter anderem von J.K., der den rechts vom Pfad liegenden Abhang nutzte, mit seinem Dr. Rohloff einen eingesprungen Halbsalto
rückwärts, mit halber Schraube und anschließender Landung auf dem Sattel seines guten, zwischen einigen Bäumchen verklemmten, Stückes vor zu führen. Die nachfolgenden Ali, Tiger und der Autor dieser Zeilen
stiegen vor lauter Ehrfurcht über diese gekonnte Nummer von ihren fahrbaren Untersätzen und zollten dem auf seinem Bike Sitzenden ein verschärftes Lob in Form von ungläubigen Kommentaren.
Am Ende des Felsenpfades zeigte uns unser Führer dann noch, wie man eine solche Tour im freien Flug beendet. Auch diese Nummer wurde von dem Rest der Truppe mit Respekt zu Kenntnis genommen und
entsprechend kommentiert. Tröstlich war vor allem die Meinung unseres Oberschraubers P.K., der meinte, dass wir von diesem Punkt aus nun auch alleine, ohne unseren Führer, nach Rodalben zurück finden würden.
Die Ereignisse des Tages wurden in einem Biergarten bei kaltem Gerstensaft und warmem Obstler, der von der geburtstaghabenden Bedienung spendiert wurde, gebührend gewürdigt.
Samstags folgten wir, wiederum bei Prospektwetter, der ausgeschilderten Strecke nach Johanniskreuz, wobei ein Tachoteil verloren ging und ein rückwärts über den Sattel rutschendes Absteigen
vom Bike nach der Durchquerung eines rundprofiligen Grabens gezeigt wurde. Sonntags ging es dann über Pirmasens und diverse brennnesselgesäumte Wiesenwege zurück ins heimatliche Saarland.
Auch diese Tour erweiterte den kulturellen Erfahrungshorizont der Matschfinder. Seitdem wissen wir, dass es in der Pfalz nicht nur Saumagen und Leberwurst gibt, sondern auch super Bikestrecken, nette
Bedienungen mit Geburtstag, eine nette Hotelchefin, ein tolles PWV´s-Haus und richtiges Urlaubsfeeling gibt. Letzteres wurde vom Alterspräsidium beim abendlichen Gang von unserem Gästehaus zu den Fleischtöpfen
unseres Hotels mehrmals ausreichend gewürdigt. Höhepunkt sollte auch in diesem Jahr wieder ein Alpencross werden. Diesmal sollte es eine rein
deutschsprachige Tour ohne Rotweingiraffen werden. Es sollte vom Bodensee aus über Oberstdorf, vorbei an der Zugspitze, durchs Karwendel zum Achensee und dann schließlich zum Königssee gehen. 7 wackere
Biker wollten sich diese Weißwurst- und Biertour nicht entgehen lassen. Als Fahrer wurde P.K. rekrutiert und zum Lenken des K2-Buses eingeteilt.
Am 20. August war es soweit. Pünktlich morgens um 6 macht unser Fahrer die Abholrunde und unter der fachkundigen Führung von Ingrid, die ebenfalls wieder mit dabei war, ging es dann Richtung schwäbisches
Meer. Die Wettervorhersagen schwankten zwischen bedeckt und Wolkenbruch, eingedenk der Tatsache, dass ein Matschfinder den Bodensee bisher eigentlich nur im Regen kennen gelernt hatte. In Lindau
beim Bikeaufrüsten und Umziehen tröpfelte es leicht. Die Fahrradremise des ausgewählten Schulhofes bot willkommenen Unterschlupf. Endlich ging es los Richtung Pfänder, wo uns auf dem Gipfel sogar die Sonne,
wenn auch etwas schüchtern, begrüßte. Nach einer kurzen Rast mit Bodenseepanorama- bewunderungsblicken ging es weiter über Singletrails und Asphalt nach Sibratsgefäll, dem ersten Etappenziel.
Nach einem stärkenden Nachtmahl und einer kurzen Übersicht über die Highlights des nächsten Tages ging es zur wohlverdienten Nachtruhe.
Morgens zeigte sich der Himmel in einem schönen Grau, aber es war noch trocken. Nach dem Frühstück ging es auf bekannten Wegen der 2000er-Oberstdorftour Richtung Rohrmoos und Oberstdorf. Pünktlich zum Start der Etappe begann es
zu tröpfeln. Wir überfuhren die Grenze nach Deutschland, welches uns zeigte, dass hier der Regen doch ein anders Kaliber hat, als das etwas schwächliche Österreichtröpfeln. In Rohrmoos war es an der Zeit, die
Regenbekleidung auszupacken und einem Härtetest zu unterziehen. Bei Dauerregen ging es durchs Tannheimertal, über den Gaichtpass, mit einer tollen Panoramabfahrt nach Weißenbach.
Nach dem Ausziehen der regennassen Kleider fühlte sich jeder so um die 10 kg leichter. Der Heizungskeller des Hotels war alsbald mit jeder Menge Radklamotten dekoriert.
Draußen regnete es immer noch. Auch der nächste Tag begrüßte uns mit Dauerregen, auch Österreich wollte uns nun zeigen, dass es einen richtigen Regen bieten kann. Berichte in den Nachrichten über Muren und
Überflutungen in der Schweiz wurden nur am Rande registriert. Überschwemmung in Tälern, gut, aber auf einem Berg?
Weiter ging es durch Lechtal, mit viel Wasser über die Ehrwalderalm, wobei uns der Aufstieg von Ehrwald aus nicht so lang erschien, wie bei der ersten Alpentour 2003. Nach kurzer Mittagspause mit
Kleidungstrocknungsversuchen, ging es weiter nach Scharnitz. Wobei auf dem letzten Teilstück das Wasser auf der leicht bergab führenden Straße, auf Grund der heftigen Regenfälle, zentimeterhoch stand. Mit
blitzsauberen Rädern erreichten wir unser Etappenziel. Das Angebot des Haussohnes unsere Kleider in den Keller zu legen, seine Mama würde sich schon drum kümmern, wurde dankend angenommen. Beim
Abendessen versuchten wir unseren Busfahrer unter die Haube, der aus Bayern stammenden Bedienung zu bringen. Das Angebot eines Saunabesuches und ähnlicher Aktionen konnte ihn aber nicht überzeugen.
Die Kleider lagen immer noch im Keller auf dem Boden und J.K machte sich auf, sie zusammen mit einem fleißigen Helfer wieder über diverse Heizungsrohre zu verteilen.
Bei Dauerregen ging es dann aus Scharnitz raus Richtung Karwendelgebirge. Am Ortsrand stand ein einsames Umleitungsschild, welches von unserem Führer jedoch ignoriert wurde. Er folgt dem Weg durch
eine Wiese und wir fühlten uns sofort an seine legendäre Wassernummer anlässlich des Saarspektakels
erinnert. Das Wasser stieg bis zu den Achsen, tapfer durchquerte er die Fluten. Wir wählten die Umleitung. Entlang der Isar ging es aus dem Ort hinaus. Die Isar war ziemlich braun und war gerade dabei eine Brücke
aus Beton umzureißen, sie rollte ein meterdickes Betonrohr vor sich her und schleppte den einen oder anderen Baum mit sich. Die Feuerwehr des Ortes war mit allen verfügbaren Leuten im Einsatz.
Wir folgten dem Weg bergauf entlang des Karwendelbaches unserem nächsten Ziel entgegen, am Karwendelhaus vorbei Richtung Achensee. Tief unter uns toste der Bach in seiner Schlucht, unser Weg war breit, von feinstem Kies, wie man ihn eigentlich nur in klaren Gebirgsbächen findet. So in etwa 1200 m Höhe wurde der Weg flacher
und wir sahen den Bach nun neben uns, er füllte die gesamte Breite bis zum gegenüberliegenden Hang aus. In einer leichten Rechtskurve war er gerade dabei den Weg wegzuspülen. Nach einigen hundert Metern kam
uns der Bach, oder vielmehr nun Fluss, auf dem Weg entgegen. Der Weg war weg, deshalb wohl auch Weg. Ende, umkehren. Wieder in Scharnitz, wo inzwischen ein paar mehr Umleitungsschilder
standen, stellten wir uns zuerst einmal in der Schule unter, Beratschlagung, Busfahrer zurückbeordern und in einem Gasthaus auf ihn warten. Dabei entdeckt B.O. so
einen verdächtigen Ratzer an seinen Felgen, die genauere Untersuchung ergibt einen bevorstehenden Kollaps wegen Durchbremsens. Man sollte auch materialschonender fahren und auf das Bremsen ganz verzichten.
Die Abwägung aller Hochwasser- und Wetterberichte führt zu dem Entschluss die Tour in Richtung Gardasee umzuleiten. Im Hotel sind noch Zimmer frei, die Chefin nimmt sich unserer Kleider an, füllt sie in
zwei Maschinen und anschließend in den Trockner. Superservice! B.O. bekommt die Ersatzräder aus dem Fundus der Matschfinder spendiert.
Am nächsten Morgen geht’s mit dem Bus über Seefeld Richtung Brenner, die Sonne blinzelt zaghaft zwischen den abziehenden Wolken hindurch. Italien empfängt uns mit blauem Himmel, wie sich das für den
Sommer gehört. Bei Tenno verlassen wir die Autobahn um die letzten Kilometer zum Gardasee mit dem Bike zurück zu legen. Beim Aussteigen durchwühlen einige ganz hektisch ihr Gepäck, wo ist die
Sonnencreme? Bei dreißig Grad, in kurzen Hosen und Trikots, ging es frohgemut Richtung Riva. Urlaubsstimmung machte sich breit. Unser Busfahrer wurde losgeschickt Zimmer zu organisieren. Am See
gibt’s Pizza und großes Bier, auf das Bad im See verzichteten wir. P.K. stieß zu uns mit der freudigen Nachricht über eine gute Herberge bei zwei ältern Damen.
Die nächsten Tage bescherten uns ein paar tolle Touren, z.B. über die alte Ponalestraße zum Ledrosee, wo uns unser Fahrer mit einem gemieteten Bike zum Essen erwartete. Dabei wurden einige Varianten mit steil
hoch- und runterschieben eingebaut. Wir fuhren den Monte Altissimo hoch und den Narvenetrail herunter, speisten in Malcesine. Eine Tour führte uns zum Tennosee, wobei die Rückfahrt nach Riva schließlich über
eine ziemlich steile Betonpiste nach unten führte. Bei zwei Bikes verabschiedeten sich die Ventile durch gemeines Abreißen. Diese Highligts wurden abends, nun doch mit Rotweingiraffen
ausführlich gewürdigt. Sogar das Feuerwerk am Samstag bekamen wir mit. Uns zu Ehren beschenkte uns Riva nun auch mit Regen. Zum Jahresausklang erinnerte sich ein nicht unbekanntes Mitglied
unserer Truppe wieder an die Luftschnapp- und Zeitschindenaktionen aus unseren Anfangstagen, wie z.B. zu viel Druck im Reifen nebst geplatzter Felge, oder der gekonnte Schnitt mittels eines scharfen
Messers über diverse Kabelbinder und Reifen nebst Schläuchen. Nicht vergessen sollte man in dieser Aufzählung diverse abgerissene Speichen
und Sättel, Notlandungen hinter Brücken oder in Dornenbüschen, Handywegwerfaktionen und ähnliches. Doch diese Nummern sind Schnee von gestern, seit es M.M. aus E. geschafft hat auf einem ebenen Weg,
während einer Dienstagsabendtour, bei einem einfachen Schaltvorgang einen doppelten Knoten in seine Kette zu schlingen. Die Mitbiker waren so erstaunt, dass die sonst üblichen Kommentare zunächst
ausblieben. Als erster fand schließlich P.J. wieder einige Worte, als er erklärte, dass er für diesen doppelten Knoten zumindest die Kette ausbauen müsse oder zumindest einen Stunt auf den Asphalt zaubern müsse,
wie er es anlässlich des St. Ingberter Marathons gezeigt hatte.
Das Jahr 2006 begann ruhig, dienstags und samstags wurde fleißig
geradelt, Termine für das Jahr wurden geplant. J.K. nahm die Sache mit den neuen Trikots in die Hand. Monatelang erheiterte er uns mit den Schilderungen warum, weshalb und wieso die Trikots
noch nicht da seien. Schließlich kam er mit der frohen Kunde, dass sie eingetroffen seien. Dabei musste manch ein Biker feststellen, dass er seit der ersten Anprobe ziemlich gewachsen sein musste,
denn die Trikots saßen auf einmal ziemlich spak. Das Jahr startete gleich mit einem Höhepunkt, wir mussten im März den 50sten Geburtstag unseres Führers G.H. zelebrieren . Die Gäste wurden Zeuge zweier Weltpremieren. Als erstes bestaunten sie die Darbietung der fantastischen, sportlichen und gut aussehenden Matschdancer. Eine Truppe, die durch ihr
angeborenes Rhythmus- und Taktgefühl eine überzeugende Nummer aufs Parkett legte. Das Trainerteam unserer Damen hatte die Fähigkeiten eines jeden Einzelnen durch individuelle Förderung zu Tage
gebracht, rechts oder links auszuweichen, anmutige Drehungen zu vollführen, elegante Sprünge auszuführen, das alles war für die Truppe kein Problem. Das Publikum tobte,
der Saal bebte, wären die Räumlichkeiten in den kommenden Tagen und Monaten nicht anders benötigt geworden, dann würden die Matschdancer heute noch Zugaben geben müssen. Genau so stark war die
Verkaufsschau des ziemlich dunkel wirkenden J.K., der “Werri gudd Zeisch!” zu einem “Gudd Preis” an die
Frau und an den Mann brachte und jeden reisenden Händler ob seines Talentes zum Weinen bringt. Wettermäßig war es nach dem verregneten Sommer 2005 in diesem Jahr eigentlich ganz ok.
Die Christihimmelfahrtstour sollte uns zu P.J.´s Jugendferiendomizil in Reinhardtsried im Allgäu führen. Tolle Touren waren geplant. Leider fiel der Trip zum Breitenberg bei Pfronten ins Wasser, das lag aber mehr an
den jungen Weicheiern, die sich beharrlich weigerten den harten Kern der Älteren zu begleiten, als an dem kräftigen Regen, der vom Himmel fiel. Statt dessen machten wir uns per Auto auf Schloss Neuschwanstein
zu besuchen. Diese Idee hatten noch ein paar tausend andere Touristen ebenfalls gehabt, die kleine Eisenbrücke von der man einen Blick übers gesamte Schloss hat, brach fast unter der Last der dicht gedrängt
stehenden Fotografen zusammen. Bemerkenswert an dieser Tour waren eigentlich zwei Dinge. Zum einen die Aufforderung des Autors an einen Bonsai züchtenden Bewohner aus
dem Tal seine Kilometer rund um einen Baum herum zu sammeln, während die übrigen eine Kirche besichtigten. Noch spektakulärer war das Eisbeinessen mit der anschließenden Orderung eines Glases „Kroonenwassers“ durch Th.M. aus IGB, um den Glasdrehtrick von Th.K. zu üben. Dazu wird ein volles
Bierglas, vorzugsweise Weizen, am oberen Rand angefasst und mit Schwung am ausgestreckten Arm einmal um 360° herum gewirbelt, ohne dass ein Tropfen des kostbaren Inhalts verloren geht. Diese Bestellung stieß
beim weiblichen Servicepersonal auf Unverständnis, so dass die Bestellung auf hochdeutsch wiederholt wurde: „Bringen Sie mir bitte ein Glas Kranenwasser!“ Nun funktionierte es mit dem Service. Als erste Stufe
wurde der Trick mit einem Zitronenviertel geübt. Er funktionierte wunderbar, sogar wenn das Glas umgedreht wurde, fiel das Zitronenstück nicht heraus, denn Th.K. hat es unbemerkter Weise im Glas
festgeklemmt. Nun wurde das Glas etwa ein Zentimeter hoch mit Wasser gefüllt und Th.M. aus IGB begann es herum zu schleudern, ohne dass ein Tropfen Wasser heraus lief. Unser Schleuderer wurde immer mutiger
und erklärte allen Anwesenden seine Technik und lobte dabei sein Geschick, egal ob er das Glas rechts oder links herum drehen dääde, kein Wasser würde nicht heraus laufen. Nun war es schließlich Zeit das Glas
richtig zu füllen und dann den Trick auszuführen. Th.M. setzt zum Schwung an und ist zum ersten Mal während dieser Tour für fünf Minuten sprachlos. Das Glas hatte ihn überlistet, es hatte ihn die ganze Zeit in
Sicherheit gewiegt und das Wasser festgehalten. Nun aber hatte es sich anders entschieden und ließ das Wasser in dem Moment, als es sich am höchsten Punkt seiner Umlaufbahn befand, aus der nach unten
gerichteten Öffnung heraus laufen. Th.M. schnappte nach Luft und bekam den Mund gar nicht mehr zu. Die Kommentare der begeisterten Zuschauer bezogen sich meist auf den glücklichen Umstand, dass es Gott sei
Dank nur Kroonenwasser und kein Bier gewesen sei. Erinnerungen an die glorreiche Bierglasherumschleudervorführung unseres adeligen Mitbikers anlässlich der Tour am thüringischen Rennsteig wurden wieder wach.
Auch in diesem Jahr sollte wieder eine Alpentour stattfinden, diesmal aber wieder Richtung Gardasee, denn die Regensaison 2005 hat uns gelehrt, dass man geschickter Weise von Nord nach Süd über die Alpen fährt
, wenn man einigermaßen gutes Wetter haben will. Des Weiteren gab die Aussicht auf Rotweingiraffen und Aqua miserabile den letzten Ausschlag. Unser Guide machte sich an die Planung der Tour, die in Oberstdorf auf Heckmaiers Spuren starten sollte. Über den Schrofenpass sollte es zum Hahntennjoch, dann durchs Ötztal und übers Timmelsjoch gehen.
Von Bozen wollten wir uns dann Richtung Dolomiten orientieren um schließlich von Rovereto aus den letzten Pass Richtung Gardasee in Angriff zu nehmen. Als Busfahrer stellte sich ein Arbeitskollege unseres
Führers zur Verfügung, welcher uns mit diversen Anekdoten und Träumen unterhielt. Diese Tour war reich an Highlights, wobei wir vom Schrofenpass etwas
enttäuscht waren. Interessanter war da schon der von einer Mure verschüttete Weg kurz vor unserem ersten Etappenziel in Boden am Hahntennjoch. Unser Ziel vor Augen
zwang uns die die ausgeschilderte Route zu einem zweistündigen Umweg über einen steilen, wurzelgespickten Trampelpfad. Zuerst hieß es die Räder den Berg hoch wuchten und tragen, dann durften
wir auf der anderen Seite wieder herunter schieben. Schließlich landeten wir wieder auf der Fortsetzung unseres ursprünglichen Weges. Am nächsten Tag ging es bei angenehmem Wetter auf wenig spektakulären
Wegen hoch ins Ötztal. Die dritte Etappe begann bei leichtem Nieselregen mit dem etwa 11 km langen Aufstieg über die Straße zum Timmelsjoch, wo der Regen stärker wurde und mit Schnee vermischt war.
Kalt war´s, so um die 3°. Für die Abfahrt hieß es Regenklamotten an zu ziehen, Lampen an schalten und dann nach Italien Richtung Meran hinunter zu fahren. Nun regnete es in Strömen, so dass wir von der
grandiosen Aussicht nichts mit bekamen. Unten im Passeiertal kam die Sonne hervor und wir konnten uns trocken legen, kurze Klamotten waren gefragt, es herrschten so um die 22°, richtig gutes Wetter. Unser
Etappenziel lag mitten in Bozen in der Fußgängerzone, ein etwas älteres Haus mit tollen Einblicken über einen maroden Innenhof von einem ins andere Zimmer.
Am nächsten Morgen empfängt uns unser Fahrer ganz aufgeregt, zwei Räder unseres Busses seien platt. Eine genauere Inspektion ergab, dass nur jeweils gut die Hälfte der Luft abgelassen war. Bis zum Eintreffen
des gelben Engels pusteten wir mit der Standpumpe schon mal etwas Luft in die Reifen. Mit gut zwei Stunden Verspätung nahmen wir die vierte Etappe in Angriff. Beim ersten Anstieg macht J.M. nach ein paar
Metern halt, seine Kurbel sei lose. Stimmte, allerdings war die Tretlagerwelle gebrochen. Handy´s liefen heiß, der Busfahrer wurde zurück beordert, J.M. wollte sich ein Leihbike besorgen. Auf Grund der
fortgeschrittenen Zeit überwanden wir bei Traumwetter, wie es sich für einen Feiertag wie Maria
Himmelfahrt gehört, den ersten Anstieg nun mit der Seilbahn. Von diesem Tag bleiben ein Pferd, das sich weigerte den Weg hinauf zu gehen über welchen wir unsere Räder schoben, eine von tausenden
Touristen besuchte Wallfahrtskirche und unsere Unterkunft, wo wir von mehreren Frauen bekocht wurden, in Erinnerung. Interessant wurde es dann, als im weiteren Verlauf der Tour bei unserem Grafen eine Speiche
riss, die dann abends gewechselt wurde und er unter den fachkundigen Kommentaren der übrigen sein Hinterrad wieder in einen fahrtauglichen Zustand versetzte. Das
anschließende Essen in einem großen Speisesaal zusammen mit ein paar hundert laut durcheinander redenden Italienern war eine ganz neue Erfahrung. Schließlich erreichten wir ohne größere Probleme den
Gardasee, wo wir nach dem obligatorischen Bad von unserem Busfahrer mit Bier aus grünen Flaschen verwöhnt wurden, wobei dieses dem einen oder anderen etwas komisch mundete. Wie sich herausstellte
hatte unser Traum von einem Busfahrer ein paar alkoholfreie Flaschen dazwischen geschmuggelt. Den Samstag wollten wir diesmal nicht als
Ruhetag vergeuden, sondern zu einer gemütlichen Runde über die alte Ponalestraße zum Ledrosee nutzen. Die Ausfahrt geriet so gemütlich, dass wir von allen Bikern die nach oben unterwegs waren überholt wurden.
Das hat es in der Matschfindergeschichte bisher noch nicht gegeben. Zu Haus gab es den daheim Gebliebenen wieder viel zu berichten.
Langsam neigte sich das Jahr 2006 zu Ende nicht ohne noch von einem spektakulären Flugtag gekrönt zu
werden. Am 30. September zeigten drei Akteure unabhängig von einander ihre Flugkünste. Als erstes begab sich St.W. anlässlich des St. Wendeler Marathons in die Luft. Bergauf fuhr er seine Gegner in Grund und
Boden, um dann auf den Abfahrten seinen Vorsprung wieder zu verspielen. Zuerst bremste ihn ein Plattfuss, dann flogen ihm zweimal seine Trinkflaschen aus den Halterungen und zu guter Letzt legte es ihn an einer
ausgewaschenen Stelle des Weges in die Wiese. Der zweite Flieger war der Autor dieser Zeilen während einer gemütlichen Tour, die uns über Zweibrücken
Richtung Hornbach und später das Bliestal bringen sollte. In Ernstweiler mussten wir an einer Ampel warten, bei Grün fuhr die Truppe los, unser Autor als Vorletzter kurz hinter St.M. Seine Augen schwenkten nach
rechts zum Bürgersteig, wo sich eine asiatische Schönheit bückender Weise um ihr Kind kümmerte. Er fühlte sich bei diesem Anblick irgendwie an den aufgehenden Mond erinnert und begann zu träumen. Er war
deshalb ziemlich überrascht, dass das Rad seines Vordermannes auf einmal so dicht vor ihm war, denn die Truppe hatte abgebremst um nach rechts auf den Weg entlang des Schwarzenbachs abzubiegen. Eine
augenblicklich eingeleitete Vollbremsung konnte nicht verhindern, dass sein Vorderrad Kontakt mit der Schaltung des voraus fahrenden Kollegen aufnahm. Sein Rad stieg hinten hoch und warf ihn ab. Beim nun
mindestens zwei Minuten, behauptet er jedenfalls, dauernden Flug versucht er sich irgendwie an der Sattelstütze oder sonstigen Teilen des anderen Rades zu halten. Schließlich fand er sich auf der Straße
kniend wieder. Sein Rad lag hinter ihm und hatte seine Trinkflaschen weg geworfen, sonst war es unverletzt. Der Flieger hatte leichtere Abschürfungen an beiden Knien, dem linken Ellenbogen und am rechten Unterarm
, wo das Muster des Hinterreifenprofils von St.M.´s Rad zu bewundern war. Auf dem rechten Oberarm zeichnete sich ebenfalls das Muster des Hinterreifens ab, welcher die Landung etwas gedämpft hatte. Mit ein
paar Pflastern war die Sache schnell behoben und es konnte weiter gehen zur dritten Flugshow dieses Tages. Nun tat sich Stuntkönig P.J. hervor. Am Blieskasteler Hallenbad nahm er nicht wie die übrigen den
asphaltierten Weg, sondern eine Abkürzung über etwas Gras, welches heimtückischer Weise einen kleinen Graben vor seinen Augen versteckte. Sein Vorderrad verliebte sich in den Graben und blieb abrupt stehen.
Das Hinterrad bekam von der Sache nichts mit und fuhr weiter, es stieg hoch in die Luft und P.J. über den Lenker ab. Auch hier ist weiter nichts passiert.
Angesichts solcher schönen Flüge wollte unser Motocrossfahrer St.M., der von Flugnummer zwei, nicht
zurückstehen und uns ebenfalls etwas zeigen. So legte er sich beim Halt an der Kreuzung der Fichtenstraße mit unserem Führer an und sich danach auf den Boden. Ein dickes Knie war die Belohnung.
Das Jahr 2007 begann ähnlich ruhig wie 2006. Der Januar war
während der Samstags- und Diensttagstouren relativ trocken von oben, das Geläuf war matschig. Die Temperaturen lagen so um 10°C. Am 27. Januar fuhren wir zum ersten Mal durch eine leicht
verschneite Landschaft. Das Jahr ließ sich gut an, viele hunderte Kilometer wurden allein im Januar zurückgelegt. Es hätten noch etwas mehr sein können, hätte uns nicht eine Serie von 8 Plattfüßen
hinter dem Robinsondorf in Furpach eine Zeitlang aufgehalten. Ursache war eine Packung verstreuter Reißbrettstifte auf unserem Weg. Apropos Platt, die Jahresstatistik der Plattmacher führen eindeutig
die Racing-Ralph-Fahrer an. Dieser Reifen scheint einen eingebauten Suchmechanismus für alle möglichen spitzen Gegenstände zu haben.
Der Februar und März waren nur unwesentlich wärmer als der Januar. Im April und Mai ging es mit den Temperaturen ordentlich nach oben, 27 – 28 Grad wurden erreicht, Temperaturen von denen man im
Sommer, von ein paar Tagen im Juli einmal abgesehen, eigentlich nur träumen konnte. Die Schar der Matschfinder ist in diesem Jahr weiter angewachsen, sogar ein Spreewaldgürkchen fährt
mittlerweile regelmäßig mit und das nicht schlecht. Die hinterher hechelnden Biker behaupten allerdings, dass sie nur aus reiner Höflichkeit hinten fahren. Das Damenteam hat gewaltig aufgerüstet, längere Strecken
erfordern nun mal neue, leichte und technisch hochwertige Bikes. Die Herren zahlen anstandslos, denn so
fällt es leichter, für sich selbst ebenfalls ein neues, leichtes und technisch hochwertiges Bike zu erstehen. Die
Frauengruppe wird von Frauenversägern und Rekonvaleszenten zur Vorbereitung auf unsere Touren genutzt, dass sie dabei auch hier hinterher fahren, hat nichts mit fehlender Kondition, sondern nur mit Höflichkeit und
Galanterie zu tun („Ma kann doch nääd so schnäll unn immer forneweg fahre, die dängtde joo e Knaggs in
ierm Selbschdbewuschdsein krien känne.“ „Isch kännd joo dobbelt so schell fahre, awwer dass kamma doch nääd mache!“).
Die Jahresplanung wurde in Angriff genommen. Gerhard´s Bike-Camp auf der Hohwaldhütte ist mittlerweile eine feste Institution geworden, die mittlerweile auch von vielen anderen Bikern aus dem Alpenvereinsumfeld
immer gern besucht wird. Der Kalender ergab, dass sich im Anschluss an das diesjährige Bike-Camp unsere Fronleichnamstour
ebenfalls auf der Hohwaldhütte in den Vogesen anschließen ließe. Gesagt getan. Erwähnenswert an dieser Tour sind ein Platzregen im Wald unterhalb der Ferme auberge Welschbach mit einer Kettenflickaktion v on Motocrossass St. M., ein dickes Knie von C.T., der im Stehen umfiel, welches dann
von P.J. mit viel Gefühl und Eis gestreichelt wurde, sowie die gute Küche um Chefkoch „Albäär“. Als Jahrestour sollte es diesmal von Elversberg aus mit dem Rad zum Bodensee gehen.
Nur mit Rad und Rucksack, ganz ohne Begleitfahrzeug. Die Anmeldeliste war lang, 15 Biker wollten mit. Es sollte über die Vogesen von Nord nach Süd hinunter und dann noch über den Schwarzwald gehen, was eine
Streckenführung ergab, die für eine Woche wohl etwas happig gewesen wäre. Die Anmeldeliste wurde etwas kürzer.
Es wurde umdisponiert. Die Vogesendurchquerung blieb, nur sollte es dann am Rhein entlang wieder zurück nach Elversberg gehen. Unser Führer machte sich ans Ausarbeiten der Tour und begann mit der Orderung
der Unterkünfte. Die Sache mit den „Nur-Rucksäcke-ohne-Auto“ wurde beibehalten. Wir waren neugierig, wie sich so was anfühlt. Als Gewicht für das Gepäck wurden 7kg angepeilt. Kleidung wurde gewogen,
Zahnbürsten abgesägt, kleinstmögliche Mengen an Reinigungsmitteln wurden abgepackt. Am schwersten wog schließlich die Notfallverpflegung in Form von Riegeln oder
ähnlichem. Am französischen Nationalfeiertag machten sich 7 Biker bei sommerlich hohen Temperaturen (mehr als 30°) auf den Weg, nicht ohne sich von Jo.K. zu verabschieden, der über Nacht leider aus persönlichen
Gründen absagen musste, was ihm besonders schwer fiel, denn er hatte sich wie e Sau auf die Rucksacktour gefreut. In Böckweiler an der Kirche der erste Plattfuß. Nach 100 km und etwa 1000 hm, also eine
Flachetappe, erreichten wir unser Ziel in Grauftal. Weiter ging es am nächsten Tag über Saverne bis Ottrott bei so 36°, 110 km, ca. 1500 hm. Hierbei stellten wir fest, dass die
Wasserversorgung in den Nordvogesen nicht so einfach wie in den Alpen ist. Ein Forsthaus war unsere Rettung. Am dritten Tag ging es hinauf zum Mont St. Odile über Le Hohwald und den Ungersberg wieder hinunter
nach Dambach, wo in den Weinbergen so um die 40° herrschten. Die nächsten beiden Tage brachten uns bis nach Merbächel in den Südvogesen, wo wir zu Ehren von Jo`s Geburtstag die eine oder andere Flasche
Wein leerten. Glücklicher Weise goß es am nächsten Morgen zuerst einmal in Strömen, so dass wir eine Stunde später als geplant losfahren konnten. Ab nun ging es auf der Tour nur noch wenig bergauf. Die
Etappen der nächsten Tage durch die Rheinebene Richtung Kehl und Heimat brachten keine Höhenmeter mehr, nur noch Kilometer. Um etwas Abwechslung in das Geschehen zu bringen wurde der
Ortsschildersprint kreiert. Vor jedem Ortsschild wurden Sprints gefahren, dabei entwickelten ein paar Biker phantasievolle Taktiken mit Anfahren oder „Radfahrer von hinten!“-Rufen. Stark umkämpft war die le tzte Sprintwertung auf der Etappe nach Kyttersburg, bei dem eine rechtwinklige Kurve mit benachbarter Wiese eine nicht unwesentliche
Rolle bei der Sprintwertung zwischen M.M. und St.M. spielte. Gesamtsieger dieser Etappe wurde übrigens der Autor dieser Zeilen, der als Erster auf den Hof unserer Übernachtungsstätte direkt hinter der
Kurve bog, an dem die Übrigen in ihrem Geschwindigkeitsrausch vorbeigedüst waren. Die letzte Etappe über Bitsch brachte noch einmal ein paar Meter. Beim
Hegge wurde die Tour anschließend entsprechend mit Worten und isotonischen Getränken, nebst einigen Nahrungsmitteln gebührend gewürdigt.
Fazit:
780 km, 8100 hm, wobei 7000 in den ersten 5 von 9 Tagen auf knapp 400 km gefahren wurden. Und auch kulturell haben wir wieder dazugelernt: So lernten wir das Schlafen in
schmalen französischen Betten mit nur einer Decke zu schätzen; wir lernten viele neue, gar nicht so üble Biersorten kennen; der Elsäßer Riesling ist ein gutes Tröpfchen; das
Frühstück war durch die Bank besser als sein vorauseilender Ruf; Schlafzimmer unterm Dach können so lang sein, dass man auf dem Weg zur Toilette stundenlang unterwegs ist.
Die Stuntsaison verlief bis in den Herbst ohne besondere Höhepunkte, das ließ zwei Biker auf Abhilfe sinnen. Den Anfang machte C.M. anlässlich einer Tour über den Grubenweg Richtung
Saarbrücken. Dabei gelang es ihm auf einem ebenen, breiten Weg sein Vorderrad so gekonnt einzulenken, dass sein Bike abrupt stehen blieb und er die überschüssige Geschwindigkeit mit seinem rechten Unterarm
auf dem feinen Schotter vernichten musste. Seine Haut war damit nicht ganz einverstanden. Mir einer Notreparatur wurde er wieder fahrtüchtig gemacht, unser nächstes Ziel war das Krankenhaus in Sulzbach,
wo er endgültig in einer etwa einstündigen Aktion wieder in Form gebracht wurde. Genau so spektakulär war die Nummer unseres Oberschraubers P.K. kurz vor Wiebelskirchen. Wir kamen
von Ottweiler und benutzen den Radweg neben der Straße. Am Ortseingang von Wiebelskirchen muss man auf die Straße wechseln. Vorsichtig wie wir sind, achten wir beim Einfädeln an dieser Stelle immer auf etwa
vorbeikommende Autos. So auch Meisterstauer P.K., der mit einem geübten Blick über seine linke Schulter den nachfolgenden Verkehr checkt. Sein Rad muss dies etwas missverstanden haben, denn es begann
ebenfalls nach links zu blicken und änderte dadurch leicht seine Richtung. Es übersah dabei aber einen heimtückischen Begrenzungspfosten, an dem es dadurch mit dem linken Lenkerende einfädelte und dadurch
bockt wie ein Rodeogaul. P.K. wurde abgeworfen und landete ziemlich unsanft auf dem Asphalt. Auch hier half eine Notreparatur beim Weiterfahren.
Der Rest der Truppe konnte da nicht mit halten, weitere Aktionen sind bisher (Dez. 2007) nicht zu vermelden.
Besonders hervorgetan hat sich in diesem Jahr Moderberater St.M., der sich bei der Designerstellung, der Sponsorsuche und der Beschaffung der 2007er Trikots voll reingehängt hat. Laufend kam er mit neuen
Vorschlägen und Mustern, die Trikots und Hosen waren zum zugesagten Termin tatsächlich da. Respekt! Er arbeitet schon an einer neuen Kollektion.
Das Jahr 2008 begann ähnlich, wie das Jahr 2007. Das Wetter war ziemlich unzuverlässig. Im Januar war kein Winter zu sehen, es
war meist trocken, bei Temperaturen knapp unter 10°. Der Februar begann nass und kühl, schwang sich am Ende zu frühlingshaften Temperaturen auf um dann von einem März mit
zeitweiligem Schneefall abgelöst zu werden. Im April ging es dann langsam aufwärts. Ab Mai war das Wetter bei den Dienstags- und Samstagstouren meistens genial.
Ein beherrschendes Thema zu Jahresbeginn war die Erschaffung einer neuen Trikotkollektion, die von unserem amerikanischen Designspecialist voller Elan in Angriff genommen wurde. Viele
Farbvorschläge wurden gemacht und wieder verworfen. Schließlich einigte man sich auf die Grundfarbe schwarz. Die 100%ige Zustimmung zu dieser Farbe konnte nur erreicht werden, weil
den massiven Forderungen von St.W. und des Weißpräsidenten nach ein bisschen Rot statt gegeben wurde. Bei der Anprobe zur Größenfindung zeigte sich, dass mancher Biker über Winter in eine andere
Gewichtsklasse auf gestiegen war oder die Trikots aus italienischer Fertigung mussten beim Weg über die Alpen auf irgend eine Weise geschrumpft sein, denn die Größenangaben waren nur grobe Richtwerte, auf
einer nach unten offenen Skala. Trotz allem machen die neuen Trikots was daher. Auffallend war auch, dass die zweite Mannschaft samt ihren Trainern ( Es Mannee unn Es Albärt ) stark
angewachsen ist und manchmal fast mehr Teilnehmer zu den Touren zusammenbrachte als die Erste. Die Touren wurden im Laufe des Frühjahres langsam wieder länger und steiler, die Vorbereitungen zu einer
erneuten Alpenüberquerung waren zu spüren. Im April war gerHard´s Hohwaldhütten-Mountainbike-Camp wieder ein toller Erfolg. Die Aussicht auf die gute Küche und die Vogesentrails lockten 24 Biker und Innen an.
Dann folgte für einen Teil der Matschfinder der eigentliche Höhepunkt des Jahres, der AlpenX von Imst in
Tirol nach Riva zum Gardasee. Nachdem wir im Jahre 2007 von Elversberg aus mit dem Rad eine Vogesendurchquerung, von Nord nach Süd, nur mit dem Rucksack und ohne Begleitfahrzeug gewagt hatten,
sollte es nun doch wieder über die Alpen zum Gardasee gehen. Die Erfahrung, das gesamte Gepäck für eine Woche nur im Rucksack mit zu führen, will keiner der Teilnehmer missen. Auch die Unterkünfte und die
Frühstücke waren, trotz einiger Unkenrufe im Vorfeld, ganz gut. Was bei dieser Tour aber fehlte, war dieses Gefühl, nach einer Woche auf dem Rad, am Ziel vorm Gardasee zu stehen und dann mit voller Montur hinein
zu springen und nur noch zu entspannen. Von den danach folgenden Kübeln und kulinarischen Genüssen ganz zu schweigen. Bei der Vogesentour fuhren wir von zuhause los und kamen auch wieder zuhause an, es
war mehr so ein Gefühl, als hätten wir die Samstagstour etwas länger ausgedehnt und das nach gut 780 km. Völlig unspektakulär das Ganze!
Das sollte in diesem Jahr wieder besser werden, die Parole „Es geht wieder über die Alpen!“ machte in Matschfinderkreisen die Runde, drang durch die Ohren zum Gehirn vor und nistete sich bei 13 Bikern
dauerhaft dort ein. Zumal sich herumsprach, dass als Fahrer des Begleitbusses, der wohl beste Mann für diesen Job gewonnen werden konnte, nämlich P.K., der uns schon auf der legendären 2005er
Überschwemmungstour gefahren hatte. Diese große Zahl von Teilnehmern stellte unseren Guide vor ganz neue Herausforderungen. Übernachtungsmöglichkeiten waren nun nicht mehr so leicht zu finden, wie für eine
kleinere Gruppe. Die Etappenplanung war daher nicht ganz einfach, zwei Erstüberquerer hatten sich angemeldet, wie sind die drauf? In den Bus passen nur 8 Biker mit ihren Untersätzen und Gepäck, wie
kommen die Übrigen zum Startpunkt und vor allem nach der Tour wieder vom Gardasee aus zurück zum Ausgangspunkt?
Aber ein Guide wäre kein Guide, wenn er solche kleinen Probleme nicht in kurzer Zeit gelöst hätte, obwohl er sich manchmal bei heimischen Touren vergeit. Dies kommt aber nur dann vor, wenn der Weg alle ist.
Eines Tages war es soweit, die Tour stand. Der Bus wurde gechartert, ein extra langer Langachser war bestellt, geliefert wurde ein kurzer Langachser. Diese Tatsache stellte unser Logistik- und Stauteam beim
sonntagmorgendlichen Bus bepacken zuerst vor ein kleineres Problem. Aber mit einer neu entwickelten Gepäck- und Räderverstaumethode bekamen wir alles im Bus unter und hatten selbst sogar noch Platz zum
Sitzen. Das Gepäck stand diesmal unten, die Räder wurden mehr oder weniger hochkant im Gepäckraum stehend aufgehängt.
Pünktlich um 12 Uhr ging es los. Bei gutem Wetter und problemloser Fahrt erreichten wir gegen 18 Uhr unsere Unterkunft den Gasthof Alpenrose in Imsterau, wo uns schon unsere beiden Taunusbiker, J.M.,
der mit dem gebrochenen Innenlager von der 2006er Tour, und sein Nachbar aus Brehmtal im Taunus M.W. erwarteten. M. wollte sich zum ersten Mal an einem AlpenX versuchen. Nach dem Zimmerbezug, dem
Abendessen nebst einigen Kübelrunden, wurden die Karten ausgepackt und unser Guide gab uns noch einmal einen Überblick der
Routenplanung und der zu erwartenden Highlights dieser Tour. Voller Vorfreude ging es dann in die Kojen.
Die erste Etappe brachte uns von Imst über die Pillerhöhe hoch über dem Inntal bis
nach Sur Enn in der Schweiz. Bemerkenswert an diesem Tag war der erste Aufstieg über eine Wiese hoch Richtung Wenns im Ötztal, der von einer einheimischen Bäuerin
mit Kommentaren über schnaufende, schiebende Biker untermalt wurden. Die Abfahrt vom Piller hinunter ins Inntal war ein erster Härtetest für die Bremsen. Kurz vor
unserem abendlichen Ziel wurden wir von einem kurzen Regenschauer heimgesucht. Dies sollte bei dieser Tour aber der einzige Regen bei Tag gewesen sein, sonst hat es
immer brav nachts oder abends, wenn wir schon in unserem Quartier saßen, geregnet. Der nächste Tag war einer der spektakulärsten in der bisherigen
Matschfindergeschichte. Zum Einen beeindruckte uns die grandiose Val Uinaschlucht mit ihren eindrücklichen (Schweizer Originalton) Ausblicken. Unsere nicht ganz schwindelfreien Biker waren dabei
mehr von sicheren und festen Felswand zu ihrer Rechten beeindruckt, als von der senkrecht abfallenden Wand mit herrlichem Schluchtenblick an ihrer linken Seite.
Bei der anschließenden Schotterabfahrt vom Schillingpass hinunter in den Vinschgau schlug der Defektteufel zu. Zuerst riss bei H.M. am Hinterrad ein Ventil ab. die Luft verabschiedete sich schlagartig, die
eingefüllte Reparaturmilch eines deutschen Herstellers folgte der Luft durch das gleiche Loch. Seine Felgenbremsen (Anmerkung: Sein Scheibenbremsrad war auf Grund eines Rahmenrisse zwischen Sitz-
und Oberrohr außer Gefecht, so dass er mit seinem alten Felgen gebremsten Modell unterwegs war) hatten die Felgen ziemlich stark erhitzt, so dass der Reifen zu wandern begann. Das Ventil war hin und her gerissen,
es wollte mit, doch die Felge ließ nicht los, so dass der Schlauch schließlich alleine dem Mantel folgte, wobei
das Ventil dann logischer Weise eine größere Lücke hinterließ. Die Reparatur war schnell durchgeführt, die Abfahrt ging weiter.
Nun riss es bei D.B. schlagartig das Ventil am Vorderrad ab, dieses stellte sich quer, das Rad bockte und
ehe er das Zischen der Luft bewusst registriert hatte, knallte es ihn mit der Schulter auf den Boden. Sein Rucksack und die relative weiche Böschung dämpften seinen Aufprall. Sein Rad bewegte sich dann von
der linken Seite des Weges nach rechts hinüber, wo der Autor dieser Zeilen, der rechts versetzt hinter D.B. unterwegs war, durch ein mehr oder weniger gekonntes Ausweichmanöver eine größere Kollision
gerade noch vermeiden konnte. Es gab nur eine leichte Berührung der Hinterräder beider Räder. Nach dem ersten Schock rappelte sich unser Gestürzter wieder auf, die
sofort durchgeführte Kontrolle ergab, dass nichts gebrochen war, größere Blutmengen waren auch keine zu sehen, außer den zu erwartenden blauen Flecken sollte es keine größeren Blessuren gegeben haben. Seinem
Rad ging es nicht ganz so gut, das Vorderrad hatte einen ziemlich großen Achter, eigentlich schon ein Sechszehner. Es drehte sich nicht mehr. Als erste Notmaßnahme wurden die hydraulischen Felgenstopper
ausgehängt und zu Fuß ging es noch ein Stück bergab. Nun begann die große Stunde der Matschfinderschraubergarde. Mit Hilfe zweier dünnerer Baumstämme, die am Wegesrand lagen, auf die
dann die Felge gelegt wurde, einem nicht ganz leichtgewichtigen Matschfinder, der sich auf die Felge stellte und dabei nach genauen Anweisungen dort auf und ab wippen musste, wurde die Felge wieder in Form
gebracht. Die Bremsen konnten wieder eingehängt werden, das Vorderrad dreht sich wieder. Mit langsamerer Fahrt folgten wir der Straße in den Vinschgau, wo in Mals für 80 € ein neues Vorderrad erstanden wurde.
In unserem Hotel in Stelvio feierten mit ein paar Kübeln den doch glücklichen Ausgang des Tages. Zur Krönung durfte ein Teil der
Mannschaft in einem 12-Bettzimmer mit doppelstöckigen, quietschenden Metallbetten nächtigen. Am nächsten Tag ging’s hinauf zum Umbrailpass. Bemerkenswert an
diesem Tag, war das an diesem bei unserem hessischen Alpenerstüberquerler M.W. das linke Pedal von der Achse abfiel. Kugeln seines Lagers hatten sich aus Fettmangel im Laufe ihres langen
Lebens förmlich aufgerieben und das Weite gesucht. Ein Reparaturversuch mit Bordwerkzeugen schlug auf Grund mangelnder Hebelarme und der innigen
Verbindung der Pedalachse mit der Kurbel, welche während des ganzen Pedallebens noch nie unterbrochen worden war, fehl. Der Versuch unseres wackeren Hessen mit konzentriertem rundem Tritt das Pedal an Ort
und Stelle zu halten, war wegen der konischen Pedalachse ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Die Folge war ein längerer Fußmarsch hinauf zum Pass, bis er von unserem Begleitbus auf gesammelt wurde.
Weiterhin bemerkenswert an diesem Tag, endlich wieder Zweibettzimmer und ein Abendessen in einer Pizzeria, die einen tollen Spendierlikör servierte.
Der vierte Tag wartete auch wieder mit ein paar Besonderheiten auf. Zuerst beindruckten uns zwei bayrische Damen, die unter Verfolgungswahn zu leiden schienen, so schnell stürmten sie die Straße zum Garviapass hoch. Noch beeindruckender war jedoch der Kampf unseres adeligen Mitbikers mit den Trägern seiner Radhosen, erst gegen Ende des Tages
schaffte er es sie ohne Wiederholung auf Anhieb unter seinem Trikot zu verstauen. Ein Zusammenhang zum vorabendlichen Pizzaesssen soll jedoch in keinster Weise bestanden haben. Ebenfalls eindrucksvoll die
folgende Abfahrt mit einem stockdunklen Tunnel, der wegen einer Baustelle nicht umfahren werden konnte. Der Eine oder Andere ist im Tunnel abgestiegen und hat sich zur Orientierung tastender Weise der
rechten Tunnelwand genähert. Andere hatten Glück, entgegenkommende Autos leuchteten den Tunnel aus. Unser am zweiten Tag Gestürzter musste auf dieser
Abfahrt mehrmals das Ventil am Hinterrad richten. Die neue Felge am Vorderrad hielt den Reifen klaglos fest, dort war nichts zu richten.
Danach wurde die Straße so schmal, dass uns die Fahrer dicker Geländewagen ausbremsten. Ein Geschmackstest an einer Heilquelle unten im Tal, führte zu dem
Schluss, dass dieses Quellwasser nur dazu da ist die Kassen der umliegenden Ärzte zu füllen, wenn sie die Geschmackstester wieder ins Leben zurück holen.
Ebenfalls bemerkenswert der Service in unserem Hotel. Auf Grund zu geringer Gläserzahl erhielten wir ab und zu statt eines 0,4er Bieres zwei 0,3er Gläser (due per uno) zum gleichen Preis. Es wird dunkel und es
beginnt zu regnen.
 Der fünfte Tag wartete ebenfalls mit einigen bemerkenswerten Gegebenheiten auf. Auf eine flache 15 km Abfahrt folgte eine etwas
steilere Auffahrt hinauf zum Passo Croce Domini über knapp 1700 Höhenmeter. Im Tal wurden wir von einer riesigen goldenen Marienstatue verabschiedet, dann ging es auf dem in der Karte
eingezeichneten Radweg auch schon ordentlich zur Sache. Die ersten steilen Rampen waren noch fahrbar, danach wurde es im Wald ziemlich steil, Steigungen von knapp 30% ließen auch den letzten von uns ab
steigen und sein Rad schieben. Weiter oben konnte man dann wieder fahren und unser Busfahrer P.K. erwartete uns mit einem tollen Imbiss. Der Einstieg in die Abfahrt über eine Wiese war begleitet von
hessischen Kommentaren über einheimische Autofahrer, die noch nie in ihrem Leben auf einem Fahrrad gesessen haben däähden. Der Weg war trotzdem richtig und führte uns über Schotter, Wurzeln und verblockte Steine hinunter zum Idrosee, von da an ging es noch über etwa 15 km ins Ledrotal zu Agritur al Marter, die wahrscheinlich beste Unterkunft auf dieser Tour, tolles von den Haustöchtern serviertes Essen und tolle Zimmer. Neubayer U.R. stieß zu uns, er wollte die
Etappe über den Tremalzo zum Gardasee am nächsten Tag mit fahren. Bemerkenswert, dass er von seinen bemerkenswerten Eigenschaften, wie Sachen in der Gegend verstreuen und ähnliches, nicht die kleinste
Kleinigkeit verlernt hat. Die Auffahrt über Asphalt zum Tremalzopass ist unspektakulär, außer uns Neubayer U. Kaum zeigt die Straße nach oben, gibt er Gas und ward nicht mehr gesehen. Erst oben am
Pass bekamen wir ihn wieder zu Gesicht. Dort oben wird es auch für die Übrigen interessant. Wir erhaschen einen Blick auf ein Zipfelchen Gardasee. Nach dem Passtunnel geht es auf der anderen Seite über die alte Schotterstraße hinunter zum Passo Nota. Eindrückliche Ausblicke verleiten immer wieder zum Anhalten und Fotografieren. Dann folgte
noch Tom´s Lieblingstrail vom Passo Rochetta hinunter nach Pregasina. Etwa ein Kilometer feinstes Felsen- und Wurzelwerk, immer dicht am Abhang vorbei. Danach noch eine letzte Stärkung in Pregasina und
dann über die alte Ponalestraße hinunter nach Riva surfen. Es folgten die üblichen Gardaseeankunftsfeierrituale, wie das Bad im See und die Biere auf der
Uferpromenade. Den Abend schlossen wir mit einem köstlichen Mahl im La Colombera ab. Am nächsten Tag mussten wir dann leider wieder nach Hause zurück.
Das Jahr 2008 brachte auch einige tolle Erfolge der Matschfinder bei verschiedenen Sportereignissen. Besonders erwähnenswert sind die Erfolge der Familie W., die beim St. Ingberter Bank1Saar-Marathon in den verschiedenen Klassen vordere Plätze belegte.
Weiterhin bemerkenswert in diesem Jahr ist unsere Mitfahrerin P. aus IGB, die es sich zur Angewohnheit gemacht hat, des Öfteren ihr Gerät zu verlassen und Bodenkontakt zu suchen.
Auch in der Technik gibt es Neuerungen, neue hellere, noch bezahlbare Lampen lösen langsam die älteren
Modelle ab. Die Reifenpannenmilch bekam die Schuld an den Ventilabrissen zugesprochen.
Bemerkenswert auch die Nikolaustour am 6. Dezember. 31 Biker und Bikerinnen haben sich angesagt
(Stand 05.12.08). Donnerstags und freitags regnet es ziemlich heftig, für den Samstag ist auch nicht unbedingt besseres Wetter vorausgesagt. Die Aussichten auf eine richtige Matschfindertour sind
hervorragend, der ganze Wald ist voller Matsch, wie die Testfahrten in den vorangegangenen Tagen eindrücklich bewiesen haben.
Soweit die Matschfindergeschichte bis Anfang Dezember 2008
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